Als in Frankreich ansässiger Grenzgänger die relevanten Besonderheiten des luxemburgischen Steuersystems kennen

Letzte Änderung dieser Seite am 22-01-2013

Im Gegensatz zu anderen Nachbarländern ist in Luxemburg keine steuerliche Ausnahmeregelung für Grenzgänger vorgesehen, es gilt daher im Allgemeinen die Quellenbesteuerung. Die Einkünfte von Grenzgängern aus Arbeitnehmertätigkeit in Luxemburg sind folglich im Land der Ausübung der Tätigkeit, d.h. im Großherzogtum, steuerpflichtig.

Die nicht in Luxemburg ansässigen Steuerpflichtigen sind jedoch grundsätzlich mit ihrem Welteinkommen in ihrem Wohnsitzland steuerpflichtig. Um zu vermeiden, dass die Einkünfte der nicht gebietsansässigen Steuerpflichtigen, die als Grenzgänger einer Tätigkeit in Luxemburg nachgehen, sowohl im Land der Ausübung der Tätigkeit als auch im Wohnsitzland besteuert werden, hat das Großherzogtum Doppelbesteuerungsabkommen mit den Nachbarländern, d.h. mit Frankreich, Belgien und Deutschland, geschlossen. Diese bilateralen Abkommen wurden auf der Grundlage des Musterabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung („OECD-Musterabkommen“) ausgehandelt.

Durch die bilateralen steuerlichen Abkommen kann das Risiko der Doppelbesteuerung vermieden und den Unterzeichnerstaaten die Steuerhoheit für die verschiedenen Einkunftsarten zugeordnet werden. Sie beinhalten ferner Bestimmungen zur Beseitigung der Doppelbesteuerung, d.h. die Befreiungsmethode oder die Anrechnungsmethode.

Grenzgänger, die in Luxemburg einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, eine Rente/Pension beziehen oder Mieteinkünfte erzielen, sind verpflichtet, in ihrer Steuererklärung das Land anzugeben, das die Steuerhoheit für die erzielte Einkunftsart innehat.

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Zielgruppe

Es handelt sich um in Frankreich ansässige Steuerpflichtige, die Einkünfte in Luxemburg und/oder im Ausland erzielen und in Luxemburg und/oder in ihrem Wohnsitzland eine Einkommensteuererklärung einreichen.

Vorgehensweise und Details

Gleichstellung mit einem gebietsansässigen Steuerpflichtigen

Unter bestimmten Bedingungen können sich in Frankreich ansässige Grenzgänger steuerlich wie in Luxemburg ansässige Steuerpflichtige behandeln lassen, indem sie die entsprechenden Felder auf Seite 3 des Vordrucks („Vordruck 100“) zur Einkommensteuererklärung ausfüllen. Der in Frankreich ansässige Steuerpflichtige muss infolgedessen eine Einkommensteuererklärung ausfüllen und dort alle in- und ausländischen Haushaltseinkünfte angeben. Die ausländischen Einkünfte bleiben aufgrund der Bestimmungen des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Frankreich und Luxemburg steuerbefreit. Diese Einkünfte werden jedoch herangezogen, um den anwendbaren Durchschnittssteuersatz auf die in Luxemburg steuerpflichtigen Einkünfte zu bestimmen.

Doppelbesteuerungsabkommen

Laut Bestimmungen des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Luxemburg und Frankreich sind die verschiedenen Einkunftsarten in der Einkommensteuererklärung als steuerbefreite oder nicht steuerbefreite Einkünfte anzugeben.

Das wesentliche Ziel des OECD-Musterabkommens ist, die steuerliche Situation der Steuerpflichtigen, die in anderen Ländern einer gewerblichen, produzierenden Tätigkeit, einer Beschäftigung im Finanzsektor oder einer Beschäftigung in sonstigen Bereichen nachgehen, zu klären, vereinheitlichen und abzusichern, indem für die Fälle der Doppelbesteuerung von allen Ländern gemeinsame Lösungen angewandt werden. Für die verschiedenen Einkunftsarten bestimmt das OECD-Musterabkommen die jeweils maßgebende steuerliche Zuständigkeit für das Herkunftsland und das Wohnsitzland. Bei bestimmten Einkünften liegt laut Abkommen die steuerliche Zuständigkeit ausschließlich bei einem der Länder, bei anderen Einkünften wiederum ist die steuerliche Zuständigkeit zwischen zwei Ländern geteilt (z.B. Dividenden und Zinsen).

Luxemburg folgt beim Abschluss oder der Neufassung bilateraler Abkommen weitgehend den Vorgaben des OECD-Musterabkommens. Dagegen weichen einige Bestimmungen des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Frankreich und Luxemburg von den Grundzügen des OECD-Musterabkommens ab. Nachfolgend werden daher das Prinzip des OECD-Musterabkommens und die Bestimmungen des Abkommens mit Frankreich dargelegt.

Besteuerung von Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit

Entsprechend dem französisch-luxemburgischen Doppelbesteuerungsabkommen sind die Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit in dem Land der Ausübung der beruflichen Tätigkeit steuerpflichtig. Die in Frankreich ansässigen Grenzgänger sind daher mit den Einkünften, die sie aus der Ausübung eines Angestelltenverhältnisses in Luxemburg erzielen, in Luxemburg steuerpflichtig.

Abweichend vom o. g. Grundsatz bleiben Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit, die von einem in Frankreich ansässigen Arbeitnehmer vorübergehend in Luxemburg erzielt werden, in Frankreich steuerpflichtig, wenn die zwei folgenden Bedingungen zugleich erfüllt sind:

  • Der Arbeitnehmer übt in Luxemburg zeitweilig eine Tätigkeit aus, und zwar während eines Zeitraums, der 183 Tage nicht überschreitet;
    und
  • der Lohn/das Gehalt wird weiterhin von seinem französischen Arbeitgeber übernommen und gezahlt (d.h. sein Lohn/Gehalt wird nicht von einem luxemburgischen Unternehmen gezahlt oder übernommen).

Ist eine der Bedingungen nicht erfüllt, sind die Einkünfte während der gesamten Dauer der Tätigkeit in Luxemburg steuerpflichtig.

Die Einkünfte aus einer in Luxemburg ausgeübten nichtselbständigen Tätigkeit sind im Großherzogtum steuerpflichtig und in Frankreich steuerbefreit.

Besteuerung von Einkünften aus Pensionen und Renten

Laut Vorgaben des OECD-Musterabkommens sind Pensionen/Renten und sonstige ähnliche Bezüge, die aufgrund eines früheren Beschäftigungsverhältnisses gezahlt werden, im Wohnsitzland des Beziehers steuerpflichtig.

Luxemburg weicht im Rahmen des mit Frankreich geschlossenen Doppelbesteuerungsabkommens von diesem Grundsatz ab. Altersrenten, die von einem luxemburgischen Sozialversicherungsträger an einen in Frankreich ansässigen Grenzgänger gezahlt werden, sind im Land der Herkunft der Einkünfte steuerpflichtig, also in Luxemburg. Diese Einkünfte sind in Luxemburg steuerpflichtig und in Frankreich steuerbefreit.

Besteuerung von Einkünften aus einem Zusatzrentenplan

Entsprechend dem französisch-luxemburgischen Abkommen liegt die Steuerhoheit für Einkünfte aus einem Zusatzrentenplan beim Wohnsitzland des Begünstigten. Folglich unterliegen Pensionen und Renten, die der in Frankreich ansässige Steuerpflichtige aus einem Zusatzrentenplan, der von einem luxemburgischen Arbeitgeber eingerichtet wurde, bezieht, in Frankreich gemäß den dort geltenden Rechtsvorschriften der Besteuerung.

Es ergibt sich daher das Problem der Doppelbesteuerung von in Frankreich ansässigen Grenzgängern, wenn Leistungen eines Zusatzrentenplans fließen, da sich die Pauschalbesteuerung von 20% der Beiträge bei der Einzahlung in Luxemburg bei der Auszahlung verdoppelt, je nach den in Frankreich geltenden Rechtsvorschriften.

Leistungen aus einem luxemburgischen Zusatzrentenplan sind in Luxemburg nicht steuerpflichtig und werden in Frankreich nach den dort geltenden Rechtsvorschriften versteuert.

Besteuerung des Gewinns aus selbständiger Tätigkeit

Nach dem französisch-luxemburgischen Abkommen ist der Gewinn aus selbständiger Tätigkeit in dem Land der Ausübung der beruflichen Tätigkeit steuerpflichtig, sofern der Selbständige dort über einen festen Standort verfügt. Unter dem Begriff des festen Standorts ist die Betriebsstätte zu verstehen, an der der Steuerpflichtige seiner Tätigkeit nachgeht.

Der Gewinn aus selbständiger Tätigkeit, der von einem in Frankreich ansässigen Steuerpflichtigen mittels eines festen Geschäftsstandorts ausgeübt wird, der sich auf luxemburgischem Staatsgebiet befindet, ist daher in Luxemburg steuerpflichtig. Dieser Gewinn ist in Frankreich steuerbefreit und in Luxemburg steuerpflichtig.

Aus Luxemburg stammende Tantiemen, die ein nicht gebietsansässiger Steuerpflichtiger als Vorstand und Ausschussmitglied oder aufgrund entsprechender Funktionen bezieht, sind in Luxemburg als „Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit“ steuerpflichtig. Laut französisch-luxemburgischem Abkommen sind Tantiemen, die von einer luxemburgischen Gesellschaft an in Frankreich ansässige Steuerpflichtige gezahlt werden, in Luxemburg steuerpflichtig. Diese Tantiemen sind in Luxemburg steuerpflichtig und in Frankreich steuerbefreit.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Entsprechend dem französisch-luxemburgischen Abkommen hat das Land, in dem die Immobilie liegt, die Steuerhoheit für die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von in Luxemburg gelegenen Immobilien, die ein in Frankreich ansässiger Steuerpflichtiger erzielt, unterliegen daher im Großherzogtum der Besteuerung.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von in Luxemburg gelegenen Immobilien sind in Luxemburg steuerpflichtig (nicht steuerbefreit) und in Frankreich steuerbefreit.

Besteuerung von Gewinnen bei der Veräußerung von Immobilien

Laut dem französisch-luxemburgischen Doppelbesteuerungsabkommen liegt die Steuerhoheit für Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von Immobilien bei dem Land, in dem die Immobilien gelegen sind. Daher unterliegt der Veräußerungsgewinn, den ein in Frankreich ansässiger Steuerpflichtiger mit dem Verkauf einer in Luxemburg gelegenen Immobilie erzielt, in Luxemburg der Besteuerung.

Der Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf einer in Luxemburg gelegenen Immobilie ist in Frankreich steuerbefreit und in Luxemburg steuerpflichtig.

Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus dem Verkauf anderer Güter (ausgenommen Immobilien)

Laut dem französisch-luxemburgischen Doppelbesteuerungsabkommen liegt die Steuerhoheit für Veräußerungs-, Spekulations- und Liquidationsgewinne beim Wohnsitzland des Begünstigten. Der Veräußerungsgewinn, den ein in Frankreich ansässiger Steuerpflichtiger beim Verkauf sonstiger Güter (ausgenommen Immobilien), insbesondere beim Verkauf von Aktien und/oder Wertpapieren erzielt, ist in Frankreich steuerpflichtig.

Die aus dem Verkauf dieser Güter erzielten Veräußerungsgewinne sind in Luxemburg nicht steuerpflichtig (sie sind in Luxemburg steuerbefreit, wenn der Steuerpflichtige die steuerliche Behandlung wie ein in Luxemburg ansässiger Steuerpflichtiger wählt), unterliegen jedoch in Frankreich nach den dort geltenden Rechtsvorschriften der Besteuerung.

Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen

Das französisch-luxemburgische Abkommen sieht vor, dass Dividenden und Zinserträge im Wohnsitzland des Begünstigten steuerpflichtig sind und dass das Herkunftsland der Einkünfte eine Steuer von höchstens 15% des Bruttobetrags der Dividenden sowie höchstens 10% des Bruttobetrags der Zinserträge einbehalten darf (Teilung der steuerlichen Zuständigkeit).

Die von luxemburgischen Gesellschaften an in Frankreich oder in Luxemburg ansässige natürliche Personen gezahlten Dividenden sind gemäß der luxemburgischen Gesetzgebung steuerpflichtig und unterliegen einem Steuerabzug an der Quelle von 15 % des Bruttobetrags. Die Dividenden müssen gemäß der in Frankreich geltenden Gesetzgebung ebenfalls dort versteuert werden. Diese Einkünfte können ebenfalls im Falle einer Besteuerung im Wege der Veranlagung berücksichtigt werden, zumindest was die Festlegung des Steuersatzes angeht.

In Luxemburg erzielte Zinserträge sind in Frankreich nach den geltenden Rechtsvorschriften steuerpflichtig und in Luxemburg steuerbefreit, wenn sich der Steuerpflichtige dafür entscheidet, steuerlich wie ein in Luxemburg ansässiger Steuerpflichtiger behandelt zu werden (siehe hierzu: „Von einer luxemburgischen Bank gezahlte Zinsen ermitteln und versteuern“ und „Von einer ausländischen Bank gezahlte Zinsen ermitteln und versteuern“).

Es ist anzumerken, dass luxemburgische Zahlstellen gemäß der europäischen Richtlinie zur Besteuerung von Zinserträgen einen Quellensteuerabzug von 35% auf bestimmte Zinserträge erheben müssen, die an einen in Frankreich ansässigen Steuerpflichtigen gezahlt werden. Der Quellensteuereinbehalt findet keine Anwendung, wenn der in Frankreich ansässige Steuerpflichtige dem Informationsaustausch zustimmt oder der luxemburgischen Zahlstelle eine von der zuständigen französischen Behörde ausgestellte Bescheinigung vorlegt, aus der nachweislich hervorgeht, dass diese Einkünfte bekannt sind.

Zuständige Kontaktstellen

45, boulevard Roosevelt
L-2982 - Luxemburg
Großherzogtum Luxemburg
Tel: (+352) 40800-1
Fax: (+352) 40800-2022