Sozialer Mindestlohn und Lohnindexierung

Letzte Änderung dieser Seite am 07-01-2016

Im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses bildet der Lohn die direkte Gegenleistung für die vom Arbeitnehmer für Rechnung seines Arbeitgebers ausgeführte Arbeit. Er kann sich aus verschiedenen Geld- oder Sachleistungen zusammensetzen.

Im Allgemeinen wird der Lohn bei Unterzeichnung des Arbeitsvertrags von den beiden Parteien nach Belieben festgelegt.

Jeder Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, den gemäß der Qualifikation des Arbeitnehmers anwendbaren sozialen Mindestlohn zu berücksichtigen.

Der zu zahlende Lohn kann durch 2 Arten von Anpassungen beeinflusst werden:

  • die Erhöhung der sozialen Mindestsätze;
  • die Lohnindexierung.

Zielgruppe

Grundsätzlich werden der Lohn und die Anpassungsmodalitäten frei zwischen folgenden Personen verhandelt:

  • dem Arbeitgeber, der jedoch verpflichtet ist, den gemäß der Qualifikation des Arbeitnehmers anwendbaren sozialen Mindestlohn zu berücksichtigen;
  • dem Arbeitnehmer, der gemäß seiner Berufserfahrung und seiner Ausbildung als qualifiziert oder nicht qualifiziert gilt.

Entsendung: Ein Arbeitgeber, der einen Arbeitnehmer in einen EU-Mitgliedstaat entsendet, muss sich vergewissern, dass der Lohn des Arbeitnehmers mindestens dem in dem Land, in dem Letzterer vorübergehend tätig sein wird, geltenden sozialen Mindestlohn entspricht.

Voraussetzungen

Der anwendbare soziale Mindestlohn hängt vom Stand der beruflichen Ausbildung des Arbeitnehmers ab.

Um als qualifiziert zu gelten, muss der Arbeitnehmer:

  • für den auszuübenden Beruf über ein anerkanntes offizielles Zeugnis verfügen, das mindestens dem Zeugnis über fachliche und berufliche Befähigung (certificat d'aptitude technique et professionnelle - CATP) oder dem Diplom über die berufliche Reife (diplôme d'aptitude professionnelle - DAP) des luxemburgischen technischen Sekundarunterrichts entspricht;

  • oder über ein Zeugnis über die praktisch-handwerkliche Befähigung (certificat de capacité manuelle - CCM) oder ein Berufsbefähigungszeugnis (certificat de capacité professionnelle - CCP) verfügen und mindestens 2 Jahre Berufserfahrung in dem betreffenden Handwerk nachweisen können;

  • oder über ein Zeugnis über den Erwerb fachlicher und technischer Grundfertigkeiten (certificat d'initiation technique et professionnelle - CITP) verfügen und mindestens 5 Jahre Berufserfahrung in dem betreffenden Handwerk oder Beruf nachweisen können;

  • oder, sofern er über kein Zeugnis verfügt, mindestens 10 Jahre Berufserfahrung nachweisen können (wenn es ein Zeugnis gibt, mit dem die erforderliche Qualifikation abgeschlossen wird);

  • oder mindestens 6 Jahre Berufserfahrung in einem Handwerk nachweisen können, das eine gewisse fachliche Fähigkeit erfordert und in dem die entsprechende Ausbildung nicht durch die Ausstellung eines offiziellen Zeugnisses abgeschlossen wird.

Sofern es einen Tarifvertrag gibt, werden der anwendbare Lohn sowie die entsprechenden Anpassungsmodalitäten anhand der in diesem Vertrag vereinbarten Lohntabelle entsprechend der Funktion und der zur Ausübung erforderlichen Qualifikationen ermittelt.

Der Arbeitgeber muss in der Regel zu Beginn des Einstellungsverfahrens über die Qualifikation des Arbeitnehmers, den er einzustellen gedenkt, informiert werden.

Erst nachdem der Arbeitnehmer den Arbeitgeber über seine Qualifikationen informiert hat, kann er den sozialen Mindestlohn für qualifizierte Arbeitnehmer verlangen. Es obliegt dem Arbeitnehmer zu beweisen (mittels seiner Diplome oder konkreter Berufserfahrungen), dass er die Qualifikation als qualifizierter Arbeitnehmer hat.

Im Vorfeld zu erledigende Schritte

Der Arbeitgeber muss zudem für eine gewisse Gleichbehandlung in seinem Unternehmen sorgen, d. h.:

  • Lohngleichheit für Männer und Frauen für die gleiche oder eine gleichwertige Arbeit;
  • Gleichbehandlung von Arbeitnehmern mit einem befristeten Arbeitsvertrag und Arbeitnehmern mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Das Gleiche gilt verhältnismäßig für Vollzeit- und Teilzeitarbeitnehmer.

Beispiele:

  • Ein Arbeits- oder Tarifvertrag darf keine geringere Vergütung für Frauen vorsehen, wenn sie eine Arbeit ausüben, die den gleichen Wert hat wie die eines Mannes.
  • Ein Arbeits- oder Tarifvertrag darf keine geringere Vergütung für Arbeitnehmer mit einem befristeten Arbeitsvertrag vorsehen, wenn sie eine Arbeit ausüben, die den gleichen Wert hat wie die eines Arbeitnehmers mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag.

Vorgehensweise und Details

Sozialer Mindestlohn

Der Lohn darf keinesfalls geringer sein als der soziale Mindestlohn.

Sozialer Mindestlohn
1.998,59 Euro
(Index 794.54, gültig seit dem 1. Januar 2017)

Der anwendbare soziale Mindestlohn wird:

  • für qualifizierte Arbeitnehmer um 20 % erhöht;
  • für jugendliche Arbeitnehmer um 20 bis 25 % verringert.

Anwendbarer sozialer Mindestlohn
(Bruttomonatslohn für eine 40-Stunden-Woche)

Alter und Qualifikation

% des sozialen Mindestlohns

Monatliche Bruttobeträge zum 1. Januar 2017

18 Jahre und mehr, qualifiziert

120 %

2.398,30

18 Jahre und mehr, nicht qualifiziert

100 %

1.998,59

17 bis 18 Jahre

80 %

1.598,87

15 bis 17 Jahre

75 %

1.498,94

Anpassung der sozialen Mindestsätze

Der soziale Mindestlohn, die Renten, die Unfallrenten und das garantierte Mindesteinkommen können alle 2 Jahre entsprechend der Entwicklung der Durchschnittsvergütung angepasst werden.

Wenn die Durchschnittsvergütung im Vergleich zum sozialen Mindestlohn gestiegen ist, kann der soziale Mindestlohn erhöht werden, um diesen Unterschied ganz oder teilweise auszugleichen.

Die Gesetze zur Änderung des Arbeitsgesetzbuches im Hinblick auf eine Anpassung des sozialen Mindestlohns werden im Mémorial (Amtsblatt) A veröffentlicht.

Gegebenenfalls muss der Arbeitgeber die Löhne der Arbeitnehmer, die den sozialen Mindestlohn beziehen, an die neuen Sätze anpassen.

Lohnindexierung

Die Löhne, Gehälter und Sozialleistungen (einschließlich des sozialen Mindestlohns) sind zudem an die Entwicklung des Lebenshaltungskosten gebunden (indexiert).

Wenn der Verbraucherpreisindex im Laufe des vorhergehenden Halbjahres um 2,5 % steigt oder sinkt, werden die Gehälter in der Regel im gleichen Verhältnis angepasst.

Der Verbraucherpreisindex und sein Einfluss auf die gleitende Lohnskala werden monatlich vom Nationalen Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien (Institut national de la statistique et des études économiques - Statec) veröffentlicht.

Der Arbeitgeber muss die Löhne all seiner Arbeitnehmer gegebenenfalls um 2,5 % erhöhen.

Im Falle von nach Luxemburg entsandten Arbeitnehmern gilt die Indexierung nur für den Mindestlohn und nicht für höhere Löhne.

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