Gelegentliche und vorübergehende Dienstleistungen in Luxemburg

Letzte Änderung dieser Seite am 13-10-2015

Unternehmen, die auf dem Gebiet der Schweiz oder eines Landes des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) niedergelassen sind, dürfen gelegentlich und vorübergehend gewerblichen, handwerklichen, industriellen oder freiberuflichen Tätigkeiten in Luxemburg nachgehen, ohne dort über eine feste Niederlassung zu verfügen.

In diesem Fall müssen sie bestimmte Formalitäten bei verschiedenen Behörden in Luxemburg erledigen, dies in Bezug auf:

  • die Anzeige der Dienstleistung (Handwerks- oder Industrieunternehmen);
  • die auf Dienstleistungen anwendbare MwSt.;
  • die Entsendung von Personal;
  • die Besteuerung der Gewinne.

Zielgruppe

Auf dem Gebiet der Schweiz oder eines EWR-Mitgliedstaats niedergelassene Unternehmen gelangen in den Genuss des freien Dienstleistungsverkehrs auf der Grundlage des Grundsatzes der gegenseitigen Anerkennung der Qualifikationen.

Sie können also frei gelegentliche und vorübergehende Dienstleistungen in Luxemburg erbringen.

Unternehmen, die nicht in der Schweiz oder dem EWR angesiedelt sind, müssen hingegen zwingend eine Niederlassungsgenehmigung für jede gelegentliche und vorübergehende Tätigkeit auf dem luxemburgischen Hoheitsgebiet haben.

Unternehmen, die regelmäßig Leistungen auf dem luxemburgischen Hoheitsgebiet anbieten wollen, müssen ebenfalls eine feste Betriebsstätte gründen und eine Niederlassungsgenehmigung beantragen.

Voraussetzungen

Anerkennung von Qualifikationen

Im Herkunftsmitgliedstaat reglementierte Tätigkeit - gegenseitige Anerkennung

Wenn der Beruf im Mitgliedstaat, in dem das Unternehmen regulär niedergelassen ist, reglementiert ist, werden die zur Ausübung des Berufes erforderlichen Qualifikationen gegenseitig anerkannt.

Ausnahmen: bei bestimmten Tätigkeiten, die Auswirkungen auf die Gesundheit oder die öffentliche Sicherheit haben können, können die Behörden verlangen, dass der Leistende den luxemburgischen Berufszugangsvoraussetzungen entspricht. Der Berufsausübende muss also einen Meisterbrief oder ein vergleichbares Zeugnis besitzen um gelegentlich eine der folgenden Handwerkstätigkeiten ausüben zu können:

  • Heizungs-, Lüftungs- und Kälteanlagenbauer;
  • Elektriker;
  • Hebezeugmonteur;
  • oder Zimmermann-Dachdecker-Blechschmied.

Im Herkunftsmitgliedstaat nicht reglementierte Tätigkeit - Überprüfung der Qualifikationen

Wenn der Beruf nicht im Ursprungsmitgliedstaat des Leistenden aber in Luxemburg reglementiert ist, können die luxemburgischen Behörden die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikationen des Leistenden überprüfen, indem sie Folgendes fordern können:

  • eine während der letzten 10 Jahre in diesem EU-Mitgliedstaat erworbene 2-jährige Berufserfahrung
  • und einen Ausbildungsnachweis, der die Vorbereitung auf die Ausübung dieses Berufes bescheinigt.

Gelegentlichkeit der Tätigkeit

Ob eine Tätigkeit gelegentlich und vorübergehend erfolgt, wird von Fall zu Fall untersucht, insbesondere unter Berücksichtigung der Dauer, der Häufigkeit, der Periodizität und der Kontinuität der Dienstleistung.

Sofern die Tätigkeit den Rahmen einer gelegentlichen und vorübergehenden Dienstleistung überschreitet, muss das Unternehmen über eine feste Betriebsstätte in Luxemburg verfügen und eine Niederlassungsgenehmigung (autorisation d'établissement) beantragen.

Vorgehensweise und Details

Anzeige der Dienstleistung

Kaufmännische Tätigkeiten oder Tätigkeiten freier Berufe - keine Anzeige

Unternehmen aus dem EWR oder der Schweiz, die gelegentlich Dienstleistungen auf dem Gebiet von gewerblichen Berufen oder freien Berufen erbringen, die ihrerseits eine Niederlassungsgenehmigung benötigen, sind von jeglicher administrativen Genehmigung seitens der luxemburgischen Behörden und der vorherigen Anzeige bei Letzteren befreit.

Handwerkliche oder industrielle Tätigkeiten - Anzeige der gelegentlichen Dienstleistung

Handwerks- oder Industrieunternehmen aus dem EWR oder der Schweiz müssen jede gelegentliche und vorübergehende Dienstleistung auf luxemburgischem Staatsgebiet nur bei der Generaldirektion KMU und Unternehmertum (Direction générale PME et Entrepreneuriat) anzeigen.

Auf Dienstleistungen anwendbare MwSt.

Die auf Dienstleistungen anwendbare MwSt. hängt von der Art des Kunden und der Dienstleistung ab.

Seit dem 1. Januar 2010 wird die MwSt. in der Regel folgendermaßen geschuldet:

  • am Ort der Niederlassung des Kunden im Falle von zwischen MwSt.-Pflichtigen erbrachten Dienstleistungen („B2B”);
  • am Ort der Niederlassung des Erbringers im Falle von an Endverbraucher erbrachten Dienstleistungen („B2C”).

Die auf Dienstleistungen anwendbare MwSt. enthält sowohl für MwSt.-Pflichtige wie für Nicht MwSt.-Pflichtige bestimmte Ausnahmen zu dieser generellen Regel.

Ausländische Unternehmen, die Geschäfte machen, die der luxemburgischen MwSt. unterliegen, müssen sich zu MwSt.-Zwecken bei der Einregistrierungs- und Domänenverwaltung (Administration de l'enregistrement et des domaines - AED) anmelden.

Besteuerung der Erträge des Unternehmens

Im Regelfall unterliegen Unternehmen, die gelegentliche Dienstleistungen in Luxemburg erbringen, der Besteuerung von Gewinnen im Land ihrer Niederlassung und nicht in Luxemburg.

Dennoch kann ein Unternehmen im Fall einer lange andauernden Dienstleistung je nach anwendbarem Doppelbesteuerungsabkommen steuerlich so behandelt werden, als würde es eine feste Betriebsstätte besitzen. In diesem Fall muss das ausländische Unternehmen die im Rahmen dieses Projekts erzielten Gewinne bei der luxemburgischen Steuerverwaltung (Administration des contributions directes) deklarieren.


Beispiel: In den meisten Doppelbesteuerungsabkommen wird ein Unternehmen, dass mehr als 6 Monate eine Baustelle in Luxemburg unterhält, angesehen, als hätte es eine feste Betriebsstätte in Luxemburg.

Entsendung von Arbeitnehmern

Ein im EWR oder der Schweiz niedergelassenes Unternehmen kann im Rahmen einer Dienstleistung seine Arbeitnehmer frei auf luxemburgisches Hoheitsgebiet unter der Bedingung entsenden, dass die Arbeitnehmer (welche Staatsangehörigkeit sie auch haben) befugt sind, in dem Mitgliedstaat, in dem das Unternehmen seine Niederlassung hat, sich niederzulassen und zu arbeiten.

Diese Arbeitnehmer müssen auf jeden Fall zum ständigen Personal des ausländischen Unternehmens gehören.

Ein Unternehmen, das Arbeitnehmer nach Luxemburg entsendet, muss:

  • eine Entsendungsanzeige bei der Gewerbeaufsicht (Inspection du Travail et de Mines) vornehmen und einen Bevollmächtigten ernennen;
  • für seine Arbeitnehmer und den Unternehmer selbst Folgendes nachweisen können:
    • eine Mitgliedschaft bei der Sozialversicherung ihres Herkunftslandes für die Dauer der Entsendung (24 Monate höchstens);
    • die Mitgliedschaft bei der luxemburgischen Sozialversicherung im Falle einer Dienstleistung von mehr als 24 Monaten (außer bei einem Antrag auf Verlängerung der Entsendung);
  • folgende Steuern bezüglich der entsandten Arbeitnehmer anwenden:
    • die Einkommensteuer des Staates, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat, sofern ihr Aufenthalt in Luxemburg weniger als 183 Tage beträgt;
    • die luxemburgische Einkommensteuer, wenn ihr Aufenthalt mehr als 183 Tage beträgt;
  • das luxemburgische Arbeitsgesetzbuch beachten, insbesondere in Sachen Mindestlohn und Arbeitsdauer.

Zuständige Kontaktstellen

45, boulevard Roosevelt
L-2982 - Luxemburg
Luxemburg
Tel: (+352) 40 800-1
Fax: (+352) 40 800-2022

Wirtschaftsministerium
19-21, boulevard Royal
L-2449 - Luxemburg
Luxemburg
Tel: (+352) 247-74700
Fax: (+352) 247-74701
E-Mail: info.pme@eco.etat.lu

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montags bis freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr
3, rue des Primeurs
L-2361 - Strassen
Postanschrift: Postfach 27, L-2010
Luxemburg
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Fax: (+352) 247 96100
E-Mail: contact@itm.etat.lu

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125, route d'Esch
L-2975 - Luxemburg
Luxemburg
Tel: (+352) 40141-1
Fax: (+352) 40 44 81

Öffnungszeiten
von 08.00 bis 16.00 Uhr