Eine Mehrwertsteuererstattung oder die direkte Anwendung des stark ermäßigten Mehrwertsteuersatzes beantragen

Letzte Änderung dieser Seite am 08-01-2015

Der normale Mehrwertsteuersatz beträgt 17 %. Um die Schaffung von Wohnraum zu fördern, erhebt der Staat auf den Bau und die Renovierung von Wohnungen einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 3 %, wenn es sich um einen Hauptwohnsitz handelt:

  • entweder durch direkte Anwendung des stark ermäßigten Satzes. In diesem Falle wird auf von Handwerkern ausgeführte förderungsfähige Arbeiten direkt ein Steuersatz von 3 % angewandt;
  • oder durch Erstattung des Differenzbetrags zwischen dem regulären und dem ermäßigten Satz. In diesem Falle kann die Person, die die förderungsfähigen Bauarbeiten ausgeführt oder in Auftrag gegeben hat, bei der Eintragungs- und Domänenverwaltung (Administration de l'enregistrement et des domaines) die Erstattung der Mehrwertsteuer beantragen.

Der Gesamtbetrag der Steuervergünstigung aufgrund der Anwendung des super-reduzierten Mehrwertsteuersatzes von 3 % kann 50.000 € pro neu errichteter oder renovierter Wohnung nicht überschreiten. Für folgende Arbeiten gilt weiterhin die Obergrenze von 60.000 Euro €:

  • Arbeiten, für welche der Antrag vor dem 1. November 2012 eingereicht wurde;
  • Arbeiten, für welche der Antrag zwischen dem 1. November 2012 und dem 1. Januar 2013 eingereicht wurde, vorausgesetzt die Arbeiten beginnen vor dem 31. März 2013.

Der Anspruch auf Erstattung der Mehrwertsteuer kann 5 Jahre lang, gerechnet ab dem 31. Dezember des Kalenderjahres, auf das sich die zu erstattende Steuer bezieht, geltend gemacht werden.

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Zielgruppe

In Luxemburg ansässige Privatpersonen, die eine Wohnung als Hauptwohnung errichten oder renovieren, können diesen steuerlichen Vorteil in Anspruch nehmen.

Unter Wohnung versteht man ein Gebäude oder den Teil eines Gebäudes, das eine klare und unterscheidbare Baueinheit (z. B. Appartement) bildet, welche zu Hauptwohnzwecken genutzt werden kann, inklusive der gemeinsam genutzten eingeschlossenen Nebenräume (wie z.B. Garage, Keller).

Um in den Genuss dieses steuerlichen Vorteils zu gelangen, muss die Wohnung als Hauptwohnung genutzt werden:

  • entweder direkt durch den Antragsteller selbst;
  • oder indirekt durch einen Dritten.

Die gleichzeitige Nutzung einer Wohnung als Hauptwohnung sowie auch zu anderen Zwecken begründet den Anspruch auf den steuerlichen Vorteil, sofern die der Hauptwohnung vorbehaltene Fläche mehr als ¾ der Gesamtfläche beträgt. Macht die Fläche weniger als oder exakt ¾ der Gesamtfläche aus, wird der steuerliche Vorteil nur für den Anteil gewährt, der der Hauptwohnung vorbehalten ist.

Voraussetzungen

Damit der Steuersatz von 3 % angewandt werden kann, müssen die Bauarbeiten zur Wohnraumschaffung oder Renovierung förderungsfähig sein.

Beim Wohnungsneubau umfassen die förderungsfähigen Bauarbeiten:

  • den Neubau einer Wohnung einschließlich Garage oder Stellplatz (unter der Voraussetzung, dass diese eine Einheit mit der Wohnung, die zu Hauptwohnzwecken dient, bilden) in Erfüllung eines Kaufvertrags über Neubauten und/oder eines Werk- oder Werklieferungsvertrages;
  • Bauarbeiten, die ganz oder teilweise vom Eigentümer selbst oder mittels verschiedener Handwerksbetriebe ausgeführt werden;
  • die Umgestaltung zu Wohnzwecken eines Gebäudes oder Teilgebäudes, das vorher anderen Zwecken gedient hat (z.B. ein Bürogebäude, dass in Wohnraum umgewandelt wird) ;
  • die Erweiterung einer bereits bestehenden Wohnung durch Anbau oder Ausbau von Wohnräumen.

ebenfalls dazu gehören Garagen oder PKW-Stellplätze die direkt an die Wohnung angeschlossen sind oder in seiner Nähe liegen und mit der Wohnung zusammen genutzt oder vermietet werden.

Steuerlich begünstigt werden jedoch nur sämtliche Arbeiten (Bau, Umwandlung oder Erweiterung) bis zum fertigen, geschlossenen Rohbau einschließlich Bodenbelägen, Decken und Wänden sowie dem Anschluss an folgende öffentliche Infrastruktur: Abwasser, Wasser, Strom, Gas, Telekommunikation, Fernwärme und öffentliche Straßen und Wege.

Bei Renovierung einer Wohnung umfassen die begünstigten Arbeiten (z.B.Errichtung und Abbruch von Innentrennwänden, Durchbruch für neue Fenster oder Türen, Vermauerung von Fenstern und Türen):

  • wesentliche Modernisierungsarbeiten, die nach dem Erwerb von Wohneigentum durchgeführt werden. Diese Bauarbeiten müssen innerhalb von 5 Jahren nach dem Erwerb abgeschlossen sein. Unter Erwerb sind entgeltlicher und unentgeltlicher Erwerb unter Lebenden oder durch Tod (Beispiel: Schenkung, Erbschaft) zu verstehen;
  • wesentliche Modernisierungsarbeiten an Wohneigentum, dessen Errichtung bei Beginn der genannten Bauarbeiten mindestens 20 Jahre zurückliegt. Diese Bauarbeiten müssen innerhalb von 2 Jahren nach deren Beginn abgeschlossen sein. Mehrere Renovierungsperioden können mit oder ohne Unterbrechungen aufeinander folgen.

Vorgehensweise und Details

Arten von Bau-/Renovierungsarbeiten

Arbeiten, für die man in den Genuss der ermäßigten Mehrwertsteuer kommen kann

  • Erdaushub;
  • tragende Teile, die für die Stabilität oder Beständigkeit des Gebäudes von Bedeutung sind;
  • Elemente, die die Verschließung, die Dacheindeckung und Abdichtung des Gebäudes sichern, einschließlich des Estrichs;
  • Fassaden;
  • Gips;
  • Treppen und Rampen;
  • Decken und fest eingebaute Trennwände;
  • Teile der Kanalisation, Rohrleitungen, Leitungen und Leitungskanäle aller Art, die unter Putz, in Decken oder Böden verlegt sind, oder Anschlüsse in der Einbettmasse sowie Anschlüsse im Boden, die für die Anbindung an die öffentliche Infrastruktur vorgesehen sind;
  • Klempnerarbeiten;
  • Aufzüge und Lastenaufzüge in Mehrfamilienhäusern sowie in Einfamilienhäusern;
  • Rahmen und Zargen für Türen, Fenster und Glaskonstruktionen;
  • sanitäre Einrichtungen mit Ausnahme von Möbeln und Spiegeln;
  • Türen, Fenster, Verglasungen und Wintergärten;
  • Heizungsanlagen, kontrollierte Lüftungsanlagen und thermische Solaranlagen;
  • Elektroinstallationen;
  • Bauschlosserarbeiten;
  • Verkleidungen jeder Art für Mauern, Böden und Decken;
  • Innen- und Außenanstrich einschließlich Tapeten.

Von der ermäßigten Mehrwertsteuer ausgeschlossen sind:

  • Möbelausstattung (einschließlich Einbauküchen) mit Ausnahme von Heizöfen;
  • Innenausbauarbeiten (Holz) außer Treppen, Rampen, Türen und Fensterbänke;
  • technische Sonderausstattungen wie Alarmanlagen;
  • Ausbau der Außenanlagen mit Ausnahme des direkten Zugangs zur Wohnung und zur Garage;
  • Gebühren für Notar, Architekt und beratenden Ingenieur;
  • Klimageräte und Wellness-Ausstattungen;
  • Gardinen und Vorhänge für den Innenraum;
  • Photovoltaikanlagen;
  • sonstige Bauarbeiten, die nicht ausdrücklich in der Liste der Bauarbeiten aufgenommen sind, für die ein steuerlicher Vorteil gewährt werden kann.

Rückerstattungsverfahren

Das Mehrwertsteuerrückerstattungsverfahren bleibt erhalten:

  • beim Kauf von Baustoffen, d. h. wenn der Eigentümer die Bauarbeiten selbst und ohne Mithilfe von Handwerkern ausführt;
  • beim Verkauf von noch nicht ihrer Bestimmung übergebenen Gebäuden sowie Kaufverträgen für noch zu errichtende Gebäude.

Jeder, der die förderungsfähigen Bau- oder Renovierungsarbeiten ausgeführt oder in Auftrag gegeben hat, ohne in den Genuss der direkten Anwendung des Mehrwertsteuersatzes von 3 % zu kommen, kann die Erstattung der Mehrwertsteuer unter der Voraussetzung beantragen, dass:

  • der Antrag sich auf einen Gesamtbetrag von mehr als 3.000 Euro ohne MwSt. beläuft und sich auf einen Mindestzeitraum von 6 Monaten bezieht;
  • die Verjährungsfrist für die Erstattung der Mehrwertsteuer noch nicht abgelaufen ist;
  • der Gesamtbetrag der Mehrwertsteuervergünstigungen 50.000 Euro je Wohnungsneubau und/oder -renovierung nicht übersteigt;
  • jede Rechnung mehr den Betrag von 1.250 Euro ohne Mehrwertsteuer beträgt.

Um die Erstattung zu erhalten, muss der Antragsteller bei der Eintragungs- und Domänenverwaltung (Administration de l’enregistrement et des domaines) Folgendes vorlegen:

  • das ausgefüllte und unterzeichnete Formular zur Beantragung der Mehrwertsteuererstattung;
  • ein Formular mit der Auflistung der Rechnungen (digitale Version oder mobile Version zusammen mit den Originalrechnungen sowie den Zahlungsbelegen. In den Originalrechnungen muss der Ort des neu geschaffenen oder renovierten Wohneigentums aufgeführt sein;
  • Einfuhrdokumente als Nachweis der Zahlung der Steuer, falls diese ausgehändigt bzw. ausgestellt wurden;
  • eine Kopie der Kaufvertragsurkunde, wenn es sich um neu errichtete Gebäude handelt, die noch nicht einer bestimmten Bestimmung übergeben wurden.

Die Erstattung der Rechnungen für den Erwerb und die Lieferung von Waren oder Dienstleistungen seitens Unternehmen mit Sitz außerhalb Luxemburgs ist nur möglich, wenn die im Ausland niedergelassene Gesellschaft über eine luxemburgische Mehrwertsteuernummer verfügt.

Direkte Anwendung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 3 %

Grundsätzlich wendet das Baugewerbe (Bauunternehmer, Elektriker, Heizungsbauer usw.), das die Bauarbeiten ausführt, direkt den Satz von 3 % innerhalb der festgelegten Grenzen und unter den festgelegten Bedingungen auf die Bau- oder Renovierungsarbeiten an.

Es obliegt daher dem Bauhandwerker, die erforderlichen Schritte einzuleiten, indem er bei der Eintragungs- und Domänenverwaltung (Administration de l'enregistrement et des domaines) einen Bewilligungsantrag stellt, damit der ermäßigte Satz von 3 % direkt auf die im Antrag beschriebenen Bauarbeiten angewandt werden kann.

Der Auftragnehmer hat die folgenden Angaben zu machen:

  • Daten zu seinem Unternehmen;
  • Angaben zum Kunden und zum fraglichen Gebäude, ergänzt durch Angaben des Eigentümers (Angaben dazu, ob der Eigentümer beabsichtigt, die Immobilie an einen Dritten zu vermieten);
  • eine zusammenfassende Beschreibung der Art der auszuführenden Bauarbeiten unter Nennung der ungefähren Kosten.

Ohne diese Bewilligung ist das Unternehmen verpflichtet, zum allgemein geltenden Satz abzurechnen, und der Eigentümer muss auf das Erstattungsverfahren zurückgreifen, um gegebenenfalls die Differenz, die sich zwischen dem Steuersatz von 15 % und dem von 3 % ergibt, zu erhalten.

Der Bewilligungsantrag muss vom Auftragnehmer unterzeichnet und vom Kunden gegengezeichnet werden.

Der Auftragnehmer schickt den Antrag auf Anwendung des ermäßigten Satzes mit seinem Kostenvoranschlag an den Kunden, damit dieser ihn genehmigt, ausfüllt und unterzeichnet.

Rückzahlung der Mehrwertsteuer an die Behörde

Der gesamte Mehrwertsteuervorteil wird zukünftig nur gewährt, wenn die Wohnung 2 Jahre lang als Hauptwohnung dient. Wird die Wohnung während dieses Zeitraums für andere Zwecke bzw. überhaupt nicht genutzt, entfällt der Grund für den steuerlichen Vorteil. Der Betrag muss folglich vollständig zurückgezahlt werden (einschließlich der gesetzlichen Zinsen ab Gewährung), was auf die normale Abrechnung der Bauarbeiten zum üblichen Mehrwertsteuersatz (17 %) hinausläuft. Die Rückzahlung obliegt ausschließlich dem Begünstigten des Steuervorteils.

Daher liegt es im Interesse des steuerlich Begünstigten, im Falle des Verkaufs der Wohnung während der Rückzahlungsfrist, die Art der Nutzung, der der Käufer die Wohnung zuführt, zu überprüfen. Auf jeden Fall ist der erhaltene steuerliche Vorteil vollständig zurückzuzahlen, wenn das Wohneigentum, für das er gewährt wurde, vor einem etwaigen Weiterverkauf vom steuerlich Begünstigten nicht irgendeiner Nutzung zugeführt wurde.

Nur mangelnde Nutzung oder Zweckänderung begründen die Einleitung des Rückzahlungsverfahrens. Der Verkauf des Wohneigentums stellt allein genommen keinen Grund für eine Rückzahlung dar.

Diese Regelung gilt für alle Fälle von Nutzungsänderungen nach dem 23. April 2005, selbst wenn der steuerliche Vorteil für Bauarbeiten gewährt wurde, die vor diesem Datum beendet wurden.

Zuständige Kontaktstellen

1-3, Avenue Guillaume
L-1651 - Luxemburg
Postanschrift Postfach 31 L-2010
Großherzogtum Luxemburg
Tel: (+352) 247 80800
Fax: (+352) 247 90400
E-Mail info@aed.public.lu